Welt-Autismus-Tag 2026: Im Gespräch mit unserer Autismus-Beraterin

Jedes Jahr am 2. April ist Welt-Autismus-Tag – ein internationaler Aktionstag, der 2007 von der UN-Generalversammlung beschlossen und 2008 erstmals begangen wurde. Ziel ist es, weltweit das Bewusstsein für das Autismus-Spektrum zu stärken, Vorurteilen entgegenzuwirken und die Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu fördern.

Anlässlich dieses Tages hat unsere Autismus-Beraterin Meike Busch einige Fragen zum Thema Autismus-Spektrum beantwortet.

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Allgemeine Informationen

Die Behinderung heißt Autismus oder genauer: Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Hierunter fasst man heute die bisherigen Kategorien wie „frühkindlicher Autismus“ , „Asperger-Syndrom“ und „Atypischen Autismus“ zusammen.

Autismus  wird wissenschaftlich bezeichnet als „tiefgreifende Entwicklungsstörung“ mit Veränderungen in der neuronalen und psychischen Entwicklung.  Das Gehirn verarbeitet Informationen anders.

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber auch genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Vor allem die wechselseitige soziale Interaktion und soziale Kommunikation. Sich wiederholende und unflexible Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten sind eingeschränkt.

Die Wahrnehmung von Menschen mit Autismus zeigt viele Besonderheiten.  Sehr häufig können Reize nicht gefiltert werden, zum Beispiel bei Geräuschen, Licht oder Berührungen. Auch sind Menschen mit Autismus oft über- oder unterempfindlich gegenüber Reizen, zum Bespiel beim Tragen von Kleidung oder beim Essen.

Ja. Autismus ist ein weit gefasstes Spektrum. Das bedeutet: Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich; mit einem großen Umfang an Symptomen mit individueller Ausprägung und individuellen Fähigkeiten der Person.

Manche Menschen brauchen viel Unterstützung, haben nur eingeschränkte sprachliche Fähigkeiten und auch eine kognitive Beeinträchtigung, andere Menschen aus dem Autismus-Spektrum haben sehr komplexe sprachliche Fähigkeiten und eine durchschnittliche oder überdurchschnittliche Intelligenz und leben weitgehend selbstständig.

Alltag und Lebensrealität

Viele Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu verstehen. Small Talk oder Blickkontakt können ungewohnt sein. Reizüberflutung, zum Beispiel durch Lärm oder Menschenmengen, kann für sie sehr belastend sein.

Oft sind es soziale und kommunikative Barrieren. Unklare Anweisungen, spontane Änderungen oder laute Umgebungen können Probleme machen. Auch fehlendes Verständnis im Umfeld ist eine große Hürde.

Strukturierte Tagesabläufe, klare Kommunikation und visuelle Hilfen sind oft sehr hilfreich. Therapien, Schulbegleitung oder Assistenz können unterstützen. Auch Rückzugsorte und digitale Hilfsmittel (z. B. Talker bei Menschen aus dem Autismus-Spektrum, die nicht sprechen) sind wichtig.

Menschen mit Autismus haben Anspruch auf Teilhabe und Unterstützung, z. B. durch die UN-Behindertenrechtskonvention. In Deutschland gibt es zusätzlich Gesetze zur Inklusion und Eingliederungshilfe.

Stärken, Fähigkeiten und Perspektiven

Menschen aus dem Autismus-Spektrum, die weniger stark beeinträchtigt sind, haben eine hohe Detailgenauigkeit und ein gutes Gedächtnis. Sie können sich intensiv auf bestimmte Themen konzentrieren und haben in diesem Bereich oft ein überdurchschnittlich großes Fachwissen.

Durch individuelle Förderung in Schule und Beruf. Klare Strukturen, feste Abläufe und passende Aufgaben, ruhige Umgebungsorte helfen dabei. Wichtig ist auch ein verständnisvolles Umfeld, das Stärken erkennt und fördert und Unterstützung bei Überforderung bietet.

Aufklärung und Inklusion

Ein verbreitetes Vorurteil ist, dass alle Menschen mit Autismus gleich sind. Das ist falsch. Jeder Mensch mit Autismus-Spektrum zeigt individuelle Ausprägungen und Fähigkeiten.

Oft wird auch gesagt, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum keine Empathie oder keine Gefühle haben würden und kein Interesse am Kontakt mit anderen Menschen. Das stimmt nicht, Menschen mit Autismus fühlen genauso, zeigen es oft anders und sind häufig besonders sensibel in der Wahrnehmung ihres Gegenübers. Sie können nur nicht immer angemessen reagieren.

Zudem sind Bezugspersonen und Freunde sehr geschätzt und wichtig für Menschen aus dem Autismus-Spektrum.

Durch Aufklärung und mehr Wissen über Autismus.

Klare Kommunikation, weniger Reizüberflutung (z.B. durch Ruheräume, kleinere Schulklassen) und mehr Akzeptanz helfen im Alltag. Inklusion bedeutet, Unterschiede zu respektieren und anzupassen.

Wichtige Anlaufstellen sind zum Beispiel Autismus Deutschland e.V. und „Aktion Mensch“.

Sie bieten Informationen, Beratung und Projekte zur Inklusion.

Sind noch Fragen offen geblieben oder haben Sie Interesse an einer Beratung zum Autismus-Spektrum?

Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Kontakt:

Geschäfts- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Castrop-Rauxel, Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop e.V.
Landabsatz 10
45731 Waltrop

Meike Busch

02309 9588-16

m.busch@lebenshilfe-waltrop.de 

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