Fahrradtour 2026 – Von der Quelle bis ins Ruhrgebiet

von S. Vorderstemann

Wir haben uns am 20.06.2026 an der Geschäftsstelle der Lebenshilfe in Waltrop getroffen. Von hier aus sollte unsere einwöchige Reise mit den Fahrrädern beginnen. Unsere Gemeinschaft bestand aus insgesamt 5 Teilnehmer:innen und 3 Begleiter:innen. Jeder hatte sein eigenes Fahrrad für die Tour vorbereitet und ausreichend trainiert. Es war unter anderem auch das Tandem Fahrrad aus Ickern dabei, welches die Lebenshilfe gestiftet bekommen hat. An diesen Tagen wurde das Tandem Rad allerdings nur von unserem Betreuer Tom genutzt.

Für den Beginn der Tour wurden unsere Fahrräder alle in einem großen Transporter gelagert, um zum Startpunkt gebracht zu werden. Wir selbst konnten uns noch kurzzeitig auf die Fahrt vorbereiten und ausruhen, da wir in einem Bully mitgefahren sind. Dieser hat uns bis nach Winterberg zur Quelle gebracht, wo die Tour nach dem Ausladen der Fahrräder beginnen konnte. Wir hatten ausreichend Proviant für den ersten Tag eingepackt, um uns vorher ordentlich zu stärken. Nach der ersten Stärkung konnten wir es uns nicht entgehen lassen, zunächst zur Quelle hochzufahren. Wir konnten uns die Wasserquelle ganz genau anschauen und auch Fotos machen.

Von dort aus konnten anschließend die Tour in einem guten Tempo einleiten, da es von der Quelle aus direkt bergab ging. So sollte es allerdings nicht bleiben, da die wunderschöne Landschaft an einigen Stellen auch stark bergauf ging. Dem entsprechend haben wir zwischendurch auch einige Trinkpausen eingelegt, um Kräfte zu sammeln und uns die Umgebung genau anschauen zu können. Nach einer gewissen Zeit sind wir schließlich in einer kleinen Stadt angekommen, in welcher wir uns ein belohnendes Eis verdient hatten. Selbst an diesem für uns neuen Ort haben wir bei einem nahegelegenen Supermarkt Leute aus dem Kreis Recklinghausen getroffen, mit denen wir uns nett unterhalten haben. Sie waren begeistert von unseren Plänen für die nächsten Tage und wünschten uns eine gute Weiterreise. Unseren ersten Zwischenstopp für die Nacht erreichten wir gegen 18 Uhr.

Hier haben wir nach der ersten anstrengenden Etappe im Hotel Hennedamm, Meschede die erste Rast für die Nacht eingelegt. Jeder von uns war erschöpft und froh darüber, eine Pause einzulegen. Der gelungene erste Tag wurde durch ein schönes Drei-Gänge Menü abgerundet.

Auch am nächsten Tag wurde das Fahrrad unseres lieben Toms mit reichlich Getränken beladen, die uns bei der zweiten Etappe helfen sollten. Von Meschede aus sollte es weiter bis nach Wickede gehen, eine Strecke von über 40 km. Gut gestärkt und voll beladen sind wir bei sommerlichen Temperaturen wieder auf die Räder gestiegen und weitergefahren. In einem Schub haben wir nach einigen Kilometern Arnsberg erreicht und in einer Gaststätte im Freien etwas getrunken. Die Pause hatte anscheinend unsere Orientierung durcheinandergebracht. Ein nettes Ehepärchen konnte uns mit deren Weganweisung zum Glück wieder zurück zur Ruhr bringen, von wo aus wir die geplante Route weiterführen konnten. Hier war schon erkennbar, dass der Fluss wesentlich breiter war als zu Beginn der Tour. Wir sind schließlich von einer der Quellen gestartet, welche in der Ruhr münden. Zum späten Nachmittag sind wir schließlich an unserem nächsten Stopp „Haus Gerbens“ in Wickede angekommen. Hier gab es zum Abend keine Sterneküche, weswegen wir zusammen in einer nahegelegenen Pizzeria eingekehrt sind. Glücklich und mit allem versorgt, was wir brauchten, sind wir wieder zurück zum Hotel gelaufen und zeitnah schlafen gegangen.

Das Ziel unseres nächsten Tages war Wetter an der Ruhr, wo wir erstaunlicherweise sehr nah an Dortmund vorbeiführt wurden. Wir hatten an den letzten beiden Tag gar nicht gemerkt, dass wir bereits so viele Kilometer hinter uns gebracht hatten. Dennoch war dieser Tag besonders anstrengend, da dies die bislang längste Etappe von über 50 km war. Vor allem der letzte Anstieg zu unserem nächsten Hotel hat die letzten Kräfte aus uns herausgezerrt, da dieser besonders steil war. Die meisten von uns haben dieses letzte steile Stück nach dem Motto „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“ bewältigt. Es gab hier viele schöne alte Häuser, die wir uns auf dem Weg zur Burg Volmarstein angucken konnten. Von dort oben gab es immerhin eine wunderschöne Aussicht über die Stadt Wetter und die anliegende Landschaft.

Ein Mitarbeiter hat mir sogar auf die Frage geantwortet, ob ein Burg-Geist im Hotel versteckt wäre. Er zeigte mir eine Truhe und wollte, dass ich mir diese mal anschauen soll. Einen richtigen Geist konnte ich trotzdem nicht entdecken. Das Fahrrad unseres Getränkewartes Tom hat die weite Strecke leider nicht ganz ohne Schäden überstanden, weswegen ein weiterer Mitarbeiter der Lebenshilfe am Abend für Ersatz gesorgt hatte. Glücklicherweise hat die Lebenshilfe ein zweites Lastenrad gestiftet bekommen, welches genau baugleich war. Somit stand der Weiterreise am nächsten Tag nichts im Wege.

Wir wollten zur Erholung nur einen halben Tag auf den Fahrrädern verbringen, da die vergangenen Strecken schon sehr anstrengend waren. Bei der Durchquerung eines großen Tors in Hattingen sind wir auf einen unerwarteten Stau gestoßen – Gegen jede Erwartung hin hat uns kurze Zeit später eine Herde Kühe den Weg blockiert. Also war besondere Vorsicht geboten, wobei wir sehr langsam an den Kühen vorbeigefahren sind.

Leider war auf unserer Route ein weiteres unschönes Hindernis durch eine steile Mountain-Bike-Strecke. Sicherheitshalber sind wir auf diesem Stück abgestiegen, da unsere Kräfte nicht mehr für wilde Sprung-Einlagen über Wurzeln und enge Kurven gereicht haben. In Essen angekommen konnten wir uns für den Rest des Nachmittags sowie des gesamten nächsten Tages mit Speisen, Getränken und kurzen Bummel-Ausflügen reichlich erholen. Den Rest der Zeit konnten wir zu unserer freien Verfügung ausnutzen, wie wir es wollten.

Glücklicherweise war unser nächstes Ziel nicht ganz so weit entfernt. Am sechsten Tag sind wir nämlich „nur“ von Essen bis Duisburg gefahren, was in etwa 20 km waren. Die letzten Tage machten sich schon bei uns allen bemerkbar, wobei sich sogar einer unserer Mitfahrer langgelegt hat. Auch wenn es zu keinen Verletzungen kam, sind wir mit besonderer Vorsicht weiter geradelt. Die kurze Strecke führte uns heute sogar sehr nah an der Autobahn vorbei – da war der Anblick der Ruhr an den vorherigen Tagen wesentlich schöner.

Den Nachmittag konnten wir wieder mal zu unserer freien Verfügung nutzen, nachdem wir uns bei absolut tropischen Temperaturen zunächst wieder frisch gemacht haben. Anliegend an unserer Jugendherberge in Duisburg gab es einen schönen Landschaftspark, den ich mir ganz in Ruhe allein ansehen konnte. Bei so einer langen Tour ist es auch mal schön, einen Moment für sich selbst zu haben. Nach dem gemeinsamen Abendessen konnte uns Tom davon überzeugen, seine Werbung für das Tandem Fahrrad wahrzunehmen. Er hat uns auf eine kleine Probefahrt mitgenommen, bei der wir uns abwechselnd auf den zweiten Sitz des Rads setzen und mitfahren konnten. Es war zunächst sehr ungewohnt, allerdings auch schön flott – es hat Spaß gemacht. Leider hatte unsere deutsche Nationalmannschaft an diesem Abend nicht so viel Freude, da sie zum Abschluss des Abends ihr erstes Spiel verloren hatte.

Am letzten Tag stellten wir fest, dass wir bei unserem eigentlichen Ziel, von Duisburg bis nach Ickern zu fahren, ordentlich durchgebraten worden wären. Die Sonne war kaum aushaltbar, weswegen wir spontan die letzte Etappe verkürzten, indem wir „nur“ bis nach Gelsenkirchen weitergefahren sind. Dort haben wir uns schließlich mit dem Zug inklusive unserer Fahrräder bis nach Ickern fahren lassen. Diesen Luxus hatten wir uns durch die ganzen Kilometer der letzten Tage auch verdient. Überschlagen haben wir an allen Tagen über 200 km mit den Rädern zurückgelegt, worauf wir auch sehr stolz sein können. Die letzten Meter vom Castroper Hauptbahnhof bis zur Wohngemeinschaft Ickern kamen und letztlich wie ein Katzensprung vor. Wir mussten feststellen, dass kein großes Empfangskomitee mit Ziellinie, Pauken und Trompeten für uns vorbereitet war. Dennoch waren wir sehr zufrieden mit unserer Leistung und konnten uns als das Team der Radtour 2026 einfach mal selbst feiern. Mit den letzten Kräften haben wir Räder und Gepäck in den Autos unserer Angehörigen verstaut, woraufhin sich unsere Radwege letztlich getrennt haben.

Abschließend kann ich definitiv sagen, dass ich so eine Strecke auf jeden Fall nochmal schaffen würde, gerne auch über eine andere Route. Interessant wäre es auch, den Nordsee-Radweg als nächste Herausforderung anzugehen. Im besten Fall kann es bei der nächsten Tour auch etwas kühler sein – das können wir allerdings nicht beeinflussen. Bei Temperaturen von 35 – 40 Grad muss ich sagen, dass selbst die schönste Landschaft zu einem Kampf werden kann.

Dennoch bin ich stolz darauf, dass wir es alle zusammen geschafft haben und sich niemand verletzt hat.

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