Das Freiwillige Soziale Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr – schulisches Sabbatjahr und berufliches Sprungbrett zugleich

von Greta Kamp

Nach jahrelangem Büffeln, Frontalunterricht und Klausurenstress suchte ich im vergangenen Jahr nach einer Abwechslung vom theoretisch geprägten Schulalltag. Auch in Sachen Berufswahl war ich noch ziemlich orientierungslos. Bei der Vielfalt von Studiengängen und Ausbildungsbereichen viel es mir schwer, eine Entscheidung „für das Leben“ zu treffen. Mir ist es wichtig, dass mir mein Job Freude bereitet. Wie soll ich das wissen, ohne den jeweiligen Beruf in der Praxis kennengelernt zu haben?
Ich suchte also nach einer „praktischen Auszeit“, die mir berufliche Einblicke verschaffen und neue Perspektiven aufzeigen könnte.

Mein Cousin erzählte mir von der Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe Castrop-Rauxel, Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop e.V. zu absolvieren. Vor einigen Jahren war er einer der letzten „Zivis“ bei der Lebenshilfe und ist dort seither in den Ambulanten Diensten tätig. Aktuell ist er in den letzten Zügen seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Seine Erzählungen machten mich neugierig, so dass ich mich für ein FSJ entschied.
Seit Beginn des Freiwilligendienstes im August 2018 betreue ich eine Schülerin mit einer Autismus-Spektrum-Störung an der Schule Oberwiese in Waltrop. Die tägliche Unterstützung der Schülerin macht mir viel Spaß. Jeder Tag ist anders – bietet viele neue Einblicke, Erfahrungen wie auch Herausforderungen. Natürlich gibt es auch Tage, die sehr anstrengend sind – aber die gibt es wohl in jedem Berufsfeld. Die positiven Reaktionen und Weiterentwicklungen, die ich durch meine Unterstützung erzielen kann, sind jedoch die beste Motivationsspritze die ich mir vorstellen kann. … und jeden Morgen mit einem Lächeln begrüßt zu werden ist einfach der beste Start in den Tag.

Bereits nach einigen Wochen war mir klar, dass das FSJ die richtige Entscheidung war. Ich gewinne täglich vielfältige Einblicke in den Beruf des Heilerziehungspflegers, da ich im Rahmen des FSJ auch andere Tätigkeiten bei der Lebenshilfe ausübe wie z.B. das wöchentliche Training und die Betreuung der Fußballmannschaft „Borussia Lebenshilfe“. Ich kann mein Hobby somit in meinen Job integrieren, das finde ich super. Im Februar fuhren wir gemeinsam nach Aachen und lernten uns während des „Mannschaftswochenendes“ richtig gut kennen. Neben einer Stadtbesichtigung stand natürlich auch die fachmännische Analyse eines Bundesligaspiels gemeinsam mit 50 Fans in einem zünftigen Irish Pub auf dem Programm. Das nenne ich mal gelebte Inklusion pur!

Durch all diese Erlebnisse steht für mich fest: Ich möchte Heilerziehungspflegerin werden! Dank der Zusage nach erfolgreichem Bewerbungsverfahren kann ich diese Entscheidung ab August bei der Lebenshilfe in die Tat umsetzen. Ich freue mich sehr auf die Ausbildung und bin neugierig auf die vielen neuen Erfahrungen und Eindrücke, die in den nächsten drei Jahren auf mich warten.

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